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Minister spricht in Seniorenresidenz über Pflegenotstand

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) machte am Dienstag Station in Niederkassel. Die Seniorenresidenz Mondorf war auf den Besuch bestens vorbereitet: Es gab alkoholfreien Sekt, ein Buffet und jede Menge Fragen. Erstes Thema der Gesprächsrunde: die Tagespflege. Sie fand in Laumann einen Verfechter: „Es ist schwierig für einen Ehepartner, seinen demenzkranken Partner täglich auszuhalten. Er muss zwei oder drei Tage in der Woche Luft holen können, um Zeit für sich selbst zu haben. Dafür ist die Tagespflege bestens geeignet.“

Als die Tagespflege entstand, habe man zusammengesessen, „um so eine Art Kindergarten für Pflegebedürftige zu erfinden“, erzählte der Minister. Nun werde man in einem nächsten Schritt die häusliche Pflege stabilisieren müssen. „Die Zeiten des Vorruhestandes sind vorbei“, erklärte er. Früher habe man sich mit Ende 50 um die Eltern kümmern können, heute sei man selbst 65 und älter, und die geburtenschwachen Jahrgänge könnten die Pflegebedürftigkeit der Älteren nicht mehr auffangen. Hinzu komme, dass NRW, was Pflege angeht, „ein teures Land“ sei.

Der Pflegenotstand ist ein Problem

Das große Problem aber sei der Pflegenotstand. „Wir sind am Ende mit unseren Kräften, wir können nicht mehr“, sagte die Medico-Regionalleiterin Maria-Luise Paul. Die Unternehmensgruppe betreibt Seniorenresidenzen in ganz Deutschland, alleine im RheinSieg-Kreis vier Einrichtungen. Laumann zweifelt indes die verbreiteten Zahlen an: „Es gibt Menschen, die behaupten, es fehlen in der Bundesrepublik rund 200.000 Pflegekräfte. Es sind tatsächlich viele, aber diese Zahl halte ich für zu hoch.“

Die Seniorenresidenz Mondorf ist zurzeit mit 58 von 80 Plätzen belegt. Nachdem wegen Fachkräftemangels eine ganze Etage geschlossen war, stockt man jetzt langsam wieder auf. 63 fest angestellte Mitarbeiter sorgen für die Bewohner. Die Residenzen arbeiten, um Personalengpässe aufzufangen, mit Zeitarbeitsfirmen zusammen. „Darunter leidet die Bezugspflege“, wusste Wohnbereichsleiterin Angela Müller, und Pflegedienstleiterin Tanja Tjurenkow ergänzte: „Wenn unsere Angestellten 2800 Euro brutto verdienen, dann haben die Zeitarbeitsmitarbeiter 3200 bis 3500 Euro monatlich. Zudem suchen sie sich meist ihre Schichten aus und kümmern sich oft nicht um Heimvorgaben. Das ist ein Ungleichgewicht. Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen.“ Das wiederum brachte den Minister zu der Frage, ob man die Zeitarbeit in der Pflege verbieten sollte. Er stellte aber auch gleichzeitig die Frage: „Was soll ein Heim machen, wenn viele Mitarbeiter aus Krankheitsgründen ausfallen? Da hilft doch nur Zeitarbeit.“

Freude über den Ministerbesuch

Er wisse, was er an den Pflegekräften habe, sagte Laumann: „Ein Mensch, der pflegt, braucht dafür eine innere Veranlagung“, sagte er und erntete viel Kopfnicken. „Wir müssen viel häufiger positiv über die Arbeit in Heimen sprechen. Es gibt viele Bewohnerinnen und Bewohner, die sich über die Geselligkeit in den Häusern freuen und nicht mehr alleine leben wollen.“

Die Mondorfer Einrichtungsleiterin Barbara Hadasch freute sich jedenfalls über den Besuch des Ministers: „Die Mitarbeiterinnen des Hauses konnten mit ihm über Pflegeprobleme sprechen. Es war wichtig, dass sie bei ihm Gehör fanden und ernstgenommen wurden.“

Bericht: Hans-Werner Klinkhammels, Generalanzeiger)